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David Grossmann: „Nina“

»Gepostet am 18 Aug, 2020 | Keine Kommentare

David Grossman: „Was Nina wusste“übersetzt aus dem Hebräischen von Anne BirkenhauerHanser Verlag € 25,00 Zum Inhalt: Vera, ist neunzig, Nina um die Sechzig, Gili Mitte dreißig. Großmutter, Tochter und Enkelin. Veras Geburtstag wird im Kibbuz gefeiert, Lobesreden über die alte Dame gehalten. Auch Vera erklärt ihre große Dankbarkeit einer Familie, die ihr trotz ihr trotz Herkunft und Anderssein damals eine Heimat gegeben hat. Vera kam aus Jugoslawien, ohne Mann mit ihrer Tochter Nina, heiratet wieder und wird Stiefmutter dreier Kinder. Vera hat eine schwere Zeit hinter sich. Ihr damaliger Mann wurde als Verräter verhaftet, beging Selbstmord, sie wurde auf einer Gefängnisinsel interniert.Nina, ihre Tochter, heiratet Rafael, Veras Stiefsohn, verlässt Mann und Kind. Sie geht nach New York, da ist Nina gerade mal zwei Jahre alt.Gili ist Filmemacherin wie ihr Vater. Am Abend des Geburtstages beschließen sie einen Film über das Leben der Großmutter zu drehen und gemeinsam nach Kroatien auf die ehemalige Gefängnisinsel Goli Otok zu fahren. Dort soll Vera endlich einmal alles erzählen. Was genau geschah damals, als sie von der jugoslawischen Geheimpolizei unter Tito verhaftet wurde? Warum war sie bereit, ihre sechseinhalbjährige Tochter wegzugeben und ins Lager zu gehen, anstatt sich durch ein Geständnis freizukaufen?Es ist die Geschichte dreier Frauen, von denen jede Wunden des Verlassenseins und des Verrats in der Seele trägt. Jede ist unfähig darüber zu reden, und zwischen den drei Frauen stehen unsichtbare Mauern, die während dieser Reise zu bröckeln beginnen.Der neue Roman von David Grossman beruht auf einer wahren Geschichte. Nicht nur aus diesem Grund geht er unter die Haut. Er ist inhaltlich UND sprachlich sehr ergreifend. Und keineswegs „nur“ ein Frauenroman. (Sigrun Hintzen) Zum Autor: David Grossman wurde 1954 in Jerusalem geboren und gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern der israelischen Gegenwartsliteratur. 2008 erhielt er den Geschwister-Scholl-Preis, 2010 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 2017 den internationalen Man-Booker-Preis für seinen Roman Kommt ein Pferd in die Bar. Bei Hanser erschienen zuletzt Diesen Krieg kann keiner gewinnen (2003), Das Gedächtnis der Haut (2004), Die Kraft zur Korrektur (2008), Eine Frau flieht vor einer Nachricht (Roman, 2009), Die Umarmung (2012), Aus der Zeit fallen (2013), Kommt ein Pferd in die Bar (Roman, 2016), Die Sonnenprinzessin (2016),  Eine Taube erschießen (Reden und Essays, 2018) und Was Nina wusste (2020). (Quelle: Hanser Verlag) Von der Titel-Seite des Hanser Verlages: 5 Fragen an David GrossmanWie ist der Stoff für diesen Roman zu Ihnen gekommen? Was Nina wusste beruht ja auf einer realen Lebensgeschichte …Die Geschichte hat Eva Panic-Nahir mir selbst erzählt – langsam, nach und nach, während der zwanzig Jahre, in denen wir eng befreundet waren. Schon als sie mit der eigenen Hartnäckigkeit, stürmisch und emotional in mein Leben platzte, wusste ich, sie hat eine Lebensgeschichte zu erzählen und die Geschichte einer Liebe, wie ich sie bisher nicht gehört habe. Trotzdem sind zwanzig Jahre vergangen, bis ich das Gefühl hatte, dass ich darüber schreiben kann.„Liebe Eva“, sagte ich ihr jedesmal, wenn sie mich fragte, ob ich schon angefangen hätte zu schreiben, „ich werde die Geschichte nicht genauso schreiben, wie du sie mir erzählt hast. Ich dokumentiere ja nicht, ich bin ein Schriftsteller, der Fiktion schreibt. Ich muss das, was existiert, selbst erfinden. Ich werde mir deine Geschichte, dich und Nina und Gili, deine Enkelin, vorstellen. Und dann werde ich die Geschichte von einem Punkt aus schreiben, an dem du, die Heldin der Geschichte, nicht sein kannst.“Das Buch erschien erst, nachdem Eva im Alter von siebenundneunzig Jahren gestorben war. Ich hoffe, ich bin ihr, ihrer Komplexität und den Widersprüchen in ihrer Person treu geblieben. Es geht um drei Frauen, drei Generationen: Vera, die Großmutter, Nina, die Tochter, und Gili, die Enkelin. Wie wichtig ist die Idee der Familie für Ihren Roman?Fast alle meine Bücher handeln von Familien und der Wucht ihrer Geschichten. Ich denke, die größten Dramen der Menschheit finden in der Familie statt. In diesem Buch ist die Familie der Ort, an dem wir die ursprünglichsten und stärksten Gefühle von drei Frauen ganz nah erleben, von drei Generationen, die kaum anders können als einander zu verletzen, doch die Beziehung zwischen ihnen ist auch der Ort, an dem der Prozess der Heilung und der Genesung beginnen wird. Vera wurde in den Fünfzigerjahren auf die Gefängnisinsel Goli Otok verbannt. Sie ist daran nicht zerbrochen. Wie war das möglich?Die Insel Goli Otok in Kroatien ist einer der entsetzlichsten Orte auf der Welt. Sie ist hässlich, wie nur Gewalt hässlich sein kann. Nur sehr wenige der Menschen, die dort als Gefangene oder als Aufseher waren, haben ihre Menschlichkeit bewahrt. Eva Pani?-Nahir – die Vera meines Romans – ist bei den Verhören und bei der Zwangsarbeit nicht zerbrochen. Sie hat niemanden denunziert und niemanden ausgeliefert. Mehr noch, als sie mit...

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Robert Seethaler: „Der letzte Satz“, Hanser Verlag

»Gepostet am 13 Aug, 2020 | Keine Kommentare

An Deck eines Schiffes von New York nach Europa sitzt Gustav Mahler, schaut fiebrig auf das Meer und die Wolken; es ist seine letzte Reise. Er ist berühmt, der große Musiker, doch sein Körper schmerzt wie so immer. Mahler weiß, dass er sterben wird. Während ihn ein Schiffsjunge mit Tee und Decken versorgt, denkt er zurück an die letzten Jahre, seine Liebe zur Musik, die Sommer in den Bergen, den Tod seiner Tochter Maria, die er in seinem Fieberwahn manchmal wieder zu sehen meint. An Anna, die andere Tochter, die gerade unten beim Frühstück sitzt, und an Alma, die Liebe seines Lebens, die ihn verrückt macht und die er an einen anderen Mann (an Walter Gropius, den „Baumeister“) verloren hat. „Der letzte Satz“ ist das ergreifende Porträt eines Künstlers als müde gewordener Mann, dem die Vergangenheit in Form glasklarer Momente der Schönheit und des Bedauerns entgegentritt. Sprachlich gestochen scharf und doch mit einer rhetorischen Sanftheit, die ihresgleichen sucht. Was für eine Novelle! Robert Seethaler, geboren 1966 in Wien, ist ein vielfach ausgezeichneter Schriftsteller und Drehbuchautor. Seine Romane „Der Trafikant“ (2012) und „Ein ganzes Leben“ (2014) wurden zu großen internationalen Publikumserfolgen. 2018 ist sein Roman „Das Feld“ erschienen. Robert Seethaler lebt in Wien und Berlin. Hanser Verlag, 128 Seiten, €...

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NEU: „Niederrhein. Schlösser, Burgen, Herrenhäuser und Rittergüter“

»Gepostet am 11 Mai, 2020 | Keine Kommentare

Ideal für den Urlaub im eigenen Land und vor der Haustür: Die bekannte Niederrhein- und Touristik-Autorin Susanne Wingels (Niederrhein mit Kindern 1 + 2, 1000 Freizeittipps Niederrhein etc.) legt in diesem Frühjahr einen neuen Bildband vor. Sie hat rund 30 öffentlich zugängliche Burgen, Schlösser, Herrenhäuser und Rittergüter am Niederrhein besucht und beschreibt diese mit ihren Geschichte, Architektur, Archälogie und Erlebniswert. Die herrschaftlichen Häuser am Niederrhein präsentieren eine bunte Vielfalt aller Stilrichtungen und Nutzungsformen: ob als kurkölnische Landesburg mit mittelalterlichem „Gesicht“, verspieltes Renaissance-Schloss mit einem Park voller Pfauen oder barocker Prunkbau mit englischem Garten. Susanne Wingels gibt neben ihren sorgfältig recherchierten journalistischen Texten detailierte Informationen zu Anfahrt, Gastronomie, Veranstaltungen und Kontaktdaten und macht ihr Buch so auch zu einem erzählenden Reiseführer. Susanne Wingels, Jg. 1969, lebt mir ihrer Familie in Hasselt/Bedburg-Hau. Die gelernte Industriekauffrau und Übersetzerin kennt den Niederrhein wie ihre Westentasche. Susanne Wingels, NIEDERRHEIN. Schlösser, Burgen, Herrenhäuser und Rittergüter, 72 S. mit zahlr. Farbfotos, geb. Wartberg Verlag, 16.90...

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Literatur mag uns gerade ein Kompass sein…

»Gepostet am 7 Apr, 2020 | Keine Kommentare

Wenn wir in diesen Tagen zuhause bleiben müssen, ist gute Literatur angesagt. Bücher machen den Kopf klar. Lassen uns die Welt verstehen. Vertreiben Nebel der Panik und Verunsicherung. Wenn unruhige Zeiten ausbrechen, mag uns die Literatur ein Kompass sein. Ihr Hintzen-Team berät zu den Geschäftszeiten persönlich am Telefon. Wir beantworten auch Anfragen und Suchaufträge per Mail. Nur die Ladentür ist geschlossen, die Buchhandlung nicht! Und die Buchhändler*innen lesen zuhause fleißig, damit ihr etwas Gutes zu lesen bekommt. Da wir jetzt jedes Buch mit Rechnung versehen und für die Lieferung vorbereiten, verpacken, herumfahren, zur Post gehen schaffen wir es zeitlich gerade nicht, hier aktuelle Titelempfehlungen einzustellen. Darum ruft uns mit Wünschen und Fragen an. Und wenn die Leitung besetzt ist, sprecht Eure Telefon-Nummer auf das Band, wir melden uns zurück und bleiben gerne mit Ihnen im Gespräch. Wir sehen uns...

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Simenon zum Sammeln. Mit dem belgischen Krimi-Klassiker durchs Jahr

»Gepostet am 29 Aug, 2019 | Keine Kommentare

Der Atlantik Verlag bringt von Juli 2019 bis ins Jahr 2026 alle Romane von George Simenon in einer neuen, modernen Taschenbuch-Edition heraus – ein Mammut-Projekt! Der Buchhandel unterstützt dieses Unterfangen. Bei uns kann man sich kostenlos eine nostalgische „Simenon Sammelkarte“ abholen. Wer alle Titel, die im ersten halben Jahr der Aktion erscheinen, kauft, kann sich im Januar über ein besonderes Geschenk vom Atlantik Verlag freuen – überreicht von eurer Buchhandlung.Zwei Romane von August wecken z.B. die Reiselust: Einer entführt euch an die Côte d’Azur, der andere nimmt euch mit auf einen rasanten Road Trip durch die USA… Über den belgischen Krimi-Klassiker: Georges Simenon wurde am 13. Februar 1903 in Lüttich geboren, wo er in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs. Er war ein guter Schüler, musste die Schule jedoch aufgrund einer schweren Erkrankung seines Vaters, der Versicherungsangestellter war, vorzeitig verlassen. Erste Erfahrungen mit der Literatur machte er als Verkaufsgehilfe in einer Buchhandlung, wurde aber bereits nach sechs Wochen entlassen. Eine Konditorlehre brach er vorzeitig ab. Danach wurde er Lokalreporter bei der „Gazette de Liége“, wo er Prozessberichte und eine Klatschspalte schrieb. Schon 1920 erschien sein erster Roman „Au Pont des Arches“. 1923 ging Simenon nach Paris. In den zwanziger Jahren verdiente er recht gut mit dem Schreiben von Groschenromanen. Pro Jahr schrieb er etwa 100 Kurzgeschichten, die er weiterhin unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichte, da er sich noch nicht als vollwertigen Schriftsteller betrachtete. Bis 1924 war Simenon Privatsekretär und Reisebegleiter des Marquis de Tracy, im Jahre 1925 schloss er einen Vertrag mit dem Verleger Tallandier über die regelmäßige Lieferung von Groschenromanen. Den ersten seiner Romane, „Le roman d’une dactylo“, schrieb er an einem Vormittag im Sommer 1924 auf einer Cafe-Terrasse. Seinen Kommissar, Jules Maigret, schuf er 1929. Bis 1934 schrieb er 38 Maigret-Romane; anschließend Romane der Psychologie, bis er im zweiten Weltkrieg die Figur Maigret wieder aufnahm. 1945 immigrierte Simenon in die USA, kehrte aber 1955 nach Frankreich zurück. Bis 1972 schrieb er zwei bis drei „Maigret“-Romane pro Jahr und etwa dieselbe Anzahl an Psycho-Thrillern. Seinen Lebensabend verbrachte Simenon in der Schweiz. Er starb 1989 in Lausanne. Georges Simenon gilt als der »meistgelesene, meistübersetzte, meistverfilmte, in einem Wort: der erfolgreichste Schriftsteller des 20. Jahrhunderts« (Die Zeit). Seine erstaunliche literarische Produktivität (75 Maigret-Romane, 117 weitere Romane und mehr als 150 Erzählungen), viele Ortswechsel und unzählige Frauen bestimmten sein Leben. Rastlos bereiste er die Welt, immer auf der Suche nach dem, »was bei allen Menschen gleich ist«. Das macht seine Bücher bis heute so...

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Vea Kaiser: „Rückwärtswalzer“ oder die Manen der Familie Prichinger

»Gepostet am 12 Apr, 2019 | Keine Kommentare

Vea Kaiser „Rückwärtswalzer“ Verlag Kiepenheuer & Witsch, 430 S., 22 € „Voller Verve, Witz und Herzenswärme erzählt Vea Kaiser von einer Familie aus dem niederösterreichischen Waldviertel, von drei Schwestern, die ein Geheimnis wahren und von den Seelen der Verstorbenen, die uns begleiten, ob wir wollen oder nicht. Als Onkel Willi stirbt, stehen der Drittel-Life-Crisis geplagte Lorenz und seine drei Tanten vor einer Herausforderung. Willi wollte immer in seinem Geburtsland Montenegro begraben werden. Doch da für eine regelkonforme Überführung der Leiche das Geld fehlt, begibt man sich kurzerhand auf eine illegale Fahrt im Panda von Wien bis zum Balkan. Auf der 1029 Kilometer langen Reise finden die abenteuerlichen Geschichten der Familie Prischinger auf kunstvolle Weise zueinander. Mirl, die älteste der Schwestern, muss nach dem Krieg schon früh Verantwortung übernehmen und will nur weg aus dem elterlichen Gasthof, weg vom Land. Doch weder die Stadt noch ihre Ehe entwickeln sich so, wie sie es sich erträumte. Wetti interessiert sich bereits als Kind mehr für Tiere als für Menschen. Als Putzfrau im Naturhistorischen Museum kennt sie die Präparate der Sammlungen bald besser als jeder Kurator, und als alleinerziehende Mutter einer dunkelhäutigen Tochter schockiert sie die Wiener Gesellschaft. Und Hedi, die Jüngste im Bunde, lernt Willi zu einem Zeitpunkt in ihrem Leben kennen, an dem sie mit selbigem fast schon abgeschlossen hat. Denn die drei Schwestern haben in jungen Jahren einen schweren Verlust erlitten. Und sie alle geben sich die Schuld daran.“ (Kiepenheuer & Witsch) Vea Kaiser wurde 1988 geboren und lebt in Wien, wo sie Altgriechisch, Latein und Germanistik studierte. Mit 23 Jahren veröffentlichte sie ihren Debütroman »Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam«, der ebenso wie ihr Zweitling »Makarionissi oder Die Insel der Seligen« zum Bestseller avancierte und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. »Rückwärtswalzer« ist ihr dritter Roman. -> Bitte beachten Sie auch unter „Veranstaltungen“ die Lesung mit Vea Kaiser im Museum Kurhaus Kleve am 13. Juni 2019, 19.30 Uhr! Und das sagt die Presse: »Sterben und Trauer verarbeitet sie auf berührende, aber durchweg komische Art und Weise. […] Vea Kaiser zeigt, dass man auch anspruchsvolle Themen unterhaltsam erzählen kann.« Veronika Schuchter, Deutschlandfunk Büchermarkt »Vea Kaiser kann erzählen. Und so ist es durchaus vergnüglich, ihr zu folgen, wie sie all diese Geschichten mit Farbe auffüllt […] und wie sie es schafft, kleine Situationen das große Ganze erklären zu lassen.«   Jochen Overbeck, SPIEGEL Online »Ein irrwitziger, warmherziger Roadtrip, wie ihn nur die ungekrönte Königin des literarischen Familienepos erfinden kann.«   Sulzbacher-Rosenberger Zeitung »Jede Zeile des soeben bei Kiepen­heuer & Witsch erschienenen Romans der österreichischen Autorin Vea Kaiser verrät die bedingungslose Zuneigung zu all ihren wunderbar erdachten und vermutlich auch alltäglichen Zufallsbegegnungen oder verwandtschaftlichen Bindungen abgeschauten Figuren.« Bernadette Lietzow, Tiroler Tageszeitung »Ein warmherziges Loblied auf die Familie als Halt und Hort.« Stefan Sprang, Hessischer...

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