Deutscher Buchpreis 2019 für „Herkunft“ von Saša Stanišić

» Gepostet am 15 Okt, 2019 in Aktuell, Tipps | Keine Kommentare

Deutscher Buchpreis 2019 für „Herkunft“ von  Saša Stanišić

Saša Stanišić wurde soeben im Frankfurter Römer für seinen Roman „Herkunft“ (Luchterhand) mit dem Deutschen Buchpreis 2019 ausgezeichnet.

In der Begründung der Jury heißt es:

„Saša Stanišić ist ein so guter Erzähler, dass er sogar dem Erzählen misstraut. Unter jedem Satz dieses Romans wartet die unverfügbare Herkunft, die gleichzeitig der Antrieb des Erzählens ist. Verfügbar wird sie nur als Fragment, als Fiktion und als Spiel mit den Möglichkeiten der Geschichte. Der Autor adelt die Leser mit seiner großen Fantasie und entlässt sie aus den Konventionen der Chronologie, des Realismus und der formalen Eindeutigkeit. ‚Das Zögern hat noch nie eine gute Geschichte erzählt‘, lässt er seine Ich-Figur sagen. Mit viel Witz setzt er den Narrativen der Geschichtsklitterer seine eigenen Geschichten entgegen. ‚Herkunft‘ zeichnet das Bild einer Gegenwart, die sich immer wieder neu erzählt. Ein ‚Selbstporträt mit Ahnen‘ wird so zum Roman eines Europas der Lebenswege.“

Stanišić war in diesem Jahr zum dritten Mal (nach 2006 und 2014) in der Juryauswahl für die Long- bzw. Shortlist des Deutschen Buchpreises. Bei der Preisverleihung nutzte Stanišić die Öffentlichkeit für eine ernste Botschaft: Er kritisierte – sichtlich um Fassung bemüht -die Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke, der die Fakten des bosnisch-serbischen Krieges leugne: „Ich hatte das Glück zu entkommen“, sagte Stanišić, „und ich feiere mit Olga Tokarczuk die Literatur, die alles versucht, und die uns Leser nicht für dumm verkaufen will, indem sie das Poetische in Lüge verkleidet – und zwar freiwillig“.

Stanišić bedankte sich herzlich bei der Jury und bei seinem Verlag, insbesondere seiner Lektorin Katja Saemann, und, da er selbst gesundheitlich nicht in Form war, rief dem Publikum zu: „Lassen Sie sich nicht anstecken – außer von guter verkäuflicher und unverkäuflicher Literatur!“

„Der Deutsche Buchpreis will die Aufmerksamkeit auf die deutschsprachige Romanliteratur in ihrer Qualität und Vielfalt lenken. In den letzten 15 Jahren ist er für die Gegenwartsliteratur und unseren Literaturbetrieb unverzichtbar geworden. Nicht nur, weil dieser Preis Autorinnen und Autoren unterstützt, sich zu entfalten und eine größere Öffentlichkeit zu erlangen, sondern insbesondere auch, weil zu keinem Zeitpunkt so leidenschaftlich über Bücher gesprochen wird, wie im Umfeld dieser Preisverleihung“, sagt Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Für die Auszeichnung waren außerdem nominiert:

  • Raphaela Edelbauer: „Das flüssige Land“ (Klett-Cotta)
  • Miku Sophie Kühmel: „Kintsugi“ (S. Fischer)
  • Tonio Schachinger: „Nicht wie ihr“ (Kremayr & Scheriau)
  • Norbert Scheuer: „Winterbienen“ (C.H.Beck)
  • Jackie Thomae: „Brüder“ (Hanser Berlin).

Saša Stanišić erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro.

Die sieben Jurymitglieder haben seit Ausschreibungsbeginn 203 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2018 und dem 17. September 2019 erschienen sind. Aus diesen Romanen wurde eine 20 Titel umfassende Longlist zusammengestellt. Daraus haben die Jurorinnen und Juroren sechs Titel für die Shortlist gewählt.

Zur Auszeichnung

Mit dem Deutschen Buchpreis 2019 zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Förderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Quelle: Börsenblatt des Deutschen Buchhandels, 14. Oktober 2019