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Sebastião Salgado erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2019

20 Okt, 2019

Sebastião Salgado erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2019

Der brasilianische Fotograf, Fotoreporter und Umweltaktivist Sebastião Salgado erhält in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Wim Wenders hielt die beeindruckende Laudatio.

„Klimawandel, Naturkatastrophen, Migration, Arbeitsbedingungen: Es sind die großen Themen dieser Zeit, die Folgen der Globalisierung, die Sebastião Salgado in seinen Bildern bearbeitet“, so begründet Börsenverein-Vorsteher Heinrich Riethmüller die Wahl dieses großartigen wie bescheidenen Preisträgers.

„Wir haben einen wunderschönen Planeten − den wir schützen und auf dem wir Gesundheit und Reichtum gerecht verteilen müssen“ sagt Salgado.
Von vielen Krisenherden dieser Welt hat er mit der Kamera Zeugnis abgelegt − darunter Kriege und Völkermorde in Burundi, Ruanda, im ehemaligen Jugoslawien. Salgado galt eine Zeit lang als vermisst, hatte Alpträume, wurde krank: „Trotzdem musste ich diese Aufnahmen machen.“ Hoffnung in die Menschheit, in die Zukunft habe er damals nicht mehr gehabt, gestand der Fotograf.
Heute widmet er sich in einem Tal im Amazonasgebiet, auf einer Farm der Familie, zusammen mit seiner Frau Lelia und seinem Instituto Terra einem großen Wiederaufforstungsprojekt. Nahezu 2,5 Millionen Bäume wurden hier neu gepflanzt, bei weiteren Renaturierungsprojekten und Schulungen für die Landwirtschaft arbeitet Salgado unter anderem mit der Förderbank KfW zusammen. „Die Erde erholt sich wieder, die Tierwelt auch“, berichtete er. Termiten, Jaguare, Affen: Jede Spezies sei genauso wichtig wie der Mensch, viele davon seien durch die Aufforstung in das Gebiet zurückgekehrt: „Das hat auch meine Hoffnung zurückgebracht. Der Planet wird in jedem Fall überleben − es kann nur sein, dass er den Menschen dafür einfach rausschmeißt.“

Buch-Tipps:

Sebastião Salgado mit Isabelle Francq: Mein Land, unsere Erde. Nagel & Kimche, 2019, 22 €

Sebastião Salgado: Africa, Taschen Verlag, 2007, 60 €

Sebastião Salgado: Exodus, Taschen Verlag, 2016, 50 €

Sebastião Salgado: Gold, Taschen Verlag, 2019, 50 €

Sebastião Salgado: Genesis, Taschen Verlag, 2019, 60 €

Foto: (c) Tobias Bohm, Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Deutscher Buchpreis 2019 für „Herkunft“ von Saša Stanišić

15 Okt, 2019

Deutscher Buchpreis 2019 für „Herkunft“ von  Saša Stanišić

Saša Stanišić wurde soeben im Frankfurter Römer für seinen Roman „Herkunft“ (Luchterhand) mit dem Deutschen Buchpreis 2019 ausgezeichnet.

In der Begründung der Jury heißt es:

„Saša Stanišić ist ein so guter Erzähler, dass er sogar dem Erzählen misstraut. Unter jedem Satz dieses Romans wartet die unverfügbare Herkunft, die gleichzeitig der Antrieb des Erzählens ist. Verfügbar wird sie nur als Fragment, als Fiktion und als Spiel mit den Möglichkeiten der Geschichte. Der Autor adelt die Leser mit seiner großen Fantasie und entlässt sie aus den Konventionen der Chronologie, des Realismus und der formalen Eindeutigkeit. ‚Das Zögern hat noch nie eine gute Geschichte erzählt‘, lässt er seine Ich-Figur sagen. Mit viel Witz setzt er den Narrativen der Geschichtsklitterer seine eigenen Geschichten entgegen. ‚Herkunft‘ zeichnet das Bild einer Gegenwart, die sich immer wieder neu erzählt. Ein ‚Selbstporträt mit Ahnen‘ wird so zum Roman eines Europas der Lebenswege.“

Stanišić war in diesem Jahr zum dritten Mal (nach 2006 und 2014) in der Juryauswahl für die Long- bzw. Shortlist des Deutschen Buchpreises. Bei der Preisverleihung nutzte Stanišić die Öffentlichkeit für eine ernste Botschaft: Er kritisierte – sichtlich um Fassung bemüht -die Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke, der die Fakten des bosnisch-serbischen Krieges leugne: „Ich hatte das Glück zu entkommen“, sagte Stanišić, „und ich feiere mit Olga Tokarczuk die Literatur, die alles versucht, und die uns Leser nicht für dumm verkaufen will, indem sie das Poetische in Lüge verkleidet – und zwar freiwillig“.

Stanišić bedankte sich herzlich bei der Jury und bei seinem Verlag, insbesondere seiner Lektorin Katja Saemann, und, da er selbst gesundheitlich nicht in Form war, rief dem Publikum zu: „Lassen Sie sich nicht anstecken – außer von guter verkäuflicher und unverkäuflicher Literatur!“

„Der Deutsche Buchpreis will die Aufmerksamkeit auf die deutschsprachige Romanliteratur in ihrer Qualität und Vielfalt lenken. In den letzten 15 Jahren ist er für die Gegenwartsliteratur und unseren Literaturbetrieb unverzichtbar geworden. Nicht nur, weil dieser Preis Autorinnen und Autoren unterstützt, sich zu entfalten und eine größere Öffentlichkeit zu erlangen, sondern insbesondere auch, weil zu keinem Zeitpunkt so leidenschaftlich über Bücher gesprochen wird, wie im Umfeld dieser Preisverleihung“, sagt Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Für die Auszeichnung waren außerdem nominiert:

  • Raphaela Edelbauer: „Das flüssige Land“ (Klett-Cotta)
  • Miku Sophie Kühmel: „Kintsugi“ (S. Fischer)
  • Tonio Schachinger: „Nicht wie ihr“ (Kremayr & Scheriau)
  • Norbert Scheuer: „Winterbienen“ (C.H.Beck)
  • Jackie Thomae: „Brüder“ (Hanser Berlin).

Saša Stanišić erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro.

Die sieben Jurymitglieder haben seit Ausschreibungsbeginn 203 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2018 und dem 17. September 2019 erschienen sind. Aus diesen Romanen wurde eine 20 Titel umfassende Longlist zusammengestellt. Daraus haben die Jurorinnen und Juroren sechs Titel für die Shortlist gewählt.

Zur Auszeichnung

Mit dem Deutschen Buchpreis 2019 zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Förderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Quelle: Börsenblatt des Deutschen Buchhandels, 14. Oktober 2019

Simenon zum Sammeln. Mit dem belgischen Krimi-Klassiker durchs Jahr

29 Aug, 2019

Simenon zum Sammeln. Mit dem belgischen Krimi-Klassiker durchs Jahr

Der Atlantik Verlag bringt von Juli 2019 bis ins Jahr 2026 alle Romane von George Simenon in einer neuen, modernen Taschenbuch-Edition heraus – ein Mammut-Projekt! Der Buchhandel unterstützt dieses Unterfangen. Bei uns kann man sich kostenlos eine nostalgische „Simenon Sammelkarte“ abholen. Wer alle Titel, die im ersten halben Jahr der Aktion erscheinen, kauft, kann sich im Januar über ein besonderes Geschenk vom Atlantik Verlag freuen – überreicht von eurer Buchhandlung.
Zwei Romane von August wecken z.B. die Reiselust: Einer entführt euch an die Côte d’Azur, der andere nimmt euch mit auf einen rasanten Road Trip durch die USA…

Über den belgischen Krimi-Klassiker: Georges Simenon wurde am 13. Februar 1903 in Lüttich geboren, wo er in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs. Er war ein guter Schüler, musste die Schule jedoch aufgrund einer schweren Erkrankung seines Vaters, der Versicherungsangestellter war, vorzeitig verlassen. Erste Erfahrungen mit der Literatur machte er als Verkaufsgehilfe in einer Buchhandlung, wurde aber bereits nach sechs Wochen entlassen. Eine Konditorlehre brach er vorzeitig ab. Danach wurde er Lokalreporter bei der „Gazette de Liége“, wo er Prozessberichte und eine Klatschspalte schrieb. Schon 1920 erschien sein erster Roman „Au Pont des Arches“. 1923 ging Simenon nach Paris. In den zwanziger Jahren verdiente er recht gut mit dem Schreiben von Groschenromanen. Pro Jahr schrieb er etwa 100 Kurzgeschichten, die er weiterhin unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichte, da er sich noch nicht als vollwertigen Schriftsteller betrachtete. Bis 1924 war Simenon Privatsekretär und Reisebegleiter des Marquis de Tracy, im Jahre 1925 schloss er einen Vertrag mit dem Verleger Tallandier über die regelmäßige Lieferung von Groschenromanen. Den ersten seiner Romane, „Le roman d’une dactylo“, schrieb er an einem Vormittag im Sommer 1924 auf einer Cafe-Terrasse. Seinen Kommissar, Jules Maigret, schuf er 1929. Bis 1934 schrieb er 38 Maigret-Romane; anschließend Romane der Psychologie, bis er im zweiten Weltkrieg die Figur Maigret wieder aufnahm.
1945 immigrierte Simenon in die USA, kehrte aber 1955 nach Frankreich zurück. Bis 1972 schrieb er zwei bis drei „Maigret“-Romane pro Jahr und etwa dieselbe Anzahl an Psycho-Thrillern. Seinen Lebensabend verbrachte Simenon in der Schweiz. Er starb 1989 in Lausanne.

Georges Simenon gilt als der »meistgelesene, meistübersetzte, meistverfilmte, in einem Wort: der erfolgreichste Schriftsteller des 20. Jahrhunderts« (Die Zeit). Seine erstaunliche literarische Produktivität (75 Maigret-Romane, 117 weitere Romane und mehr als 150 Erzählungen), viele Ortswechsel und unzählige Frauen bestimmten sein Leben. Rastlos bereiste er die Welt, immer auf der Suche nach dem, »was bei allen Menschen gleich ist«. Das macht seine Bücher bis heute so zeitlos.

Vea Kaiser: „Rückwärtswalzer“ oder die Manen der Familie Prichinger

12 Apr, 2019

Vea Kaiser: „Rückwärtswalzer“            oder die Manen der Familie Prichinger

Vea Kaiser „Rückwärtswalzer“

Verlag Kiepenheuer & Witsch, 430 S., 22 €

„Voller Verve, Witz und Herzenswärme erzählt Vea Kaiser von einer Familie aus dem niederösterreichischen Waldviertel, von drei Schwestern, die ein Geheimnis wahren und von den Seelen der Verstorbenen, die uns begleiten, ob wir wollen oder nicht.

Als Onkel Willi stirbt, stehen der Drittel-Life-Crisis geplagte Lorenz und seine drei Tanten vor einer Herausforderung. Willi wollte immer in seinem Geburtsland Montenegro begraben werden. Doch da für eine regelkonforme Überführung der Leiche das Geld fehlt, begibt man sich kurzerhand auf eine illegale Fahrt im Panda von Wien bis zum Balkan. Auf der 1029 Kilometer langen Reise finden die abenteuerlichen Geschichten der Familie Prischinger auf kunstvolle Weise zueinander.

Mirl, die älteste der Schwestern, muss nach dem Krieg schon früh Verantwortung übernehmen und will nur weg aus dem elterlichen Gasthof, weg vom Land. Doch weder die Stadt noch ihre Ehe entwickeln sich so, wie sie es sich erträumte. Wetti interessiert sich bereits als Kind mehr für Tiere als für Menschen. Als Putzfrau im Naturhistorischen Museum kennt sie die Präparate der Sammlungen bald besser als jeder Kurator, und als alleinerziehende Mutter einer dunkelhäutigen Tochter schockiert sie die Wiener Gesellschaft. Und Hedi, die Jüngste im Bunde, lernt Willi zu einem Zeitpunkt in ihrem Leben kennen, an dem sie mit selbigem fast schon abgeschlossen hat. Denn die drei Schwestern haben in jungen Jahren einen schweren Verlust erlitten. Und sie alle geben sich die Schuld daran.“ (Kiepenheuer & Witsch)

Vea Kaiser wurde 1988 geboren und lebt in Wien, wo sie Altgriechisch, Latein und Germanistik studierte. Mit 23 Jahren veröffentlichte sie ihren Debütroman »Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam«, der ebenso wie ihr Zweitling »Makarionissi oder Die Insel der Seligen« zum Bestseller avancierte und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. »Rückwärtswalzer« ist ihr dritter Roman.

-> Bitte beachten Sie auch unter „Veranstaltungen“ die Lesung mit Vea Kaiser im Museum Kurhaus Kleve am 13. Juni 2019, 19.30 Uhr!

Und das sagt die Presse:

»Sterben und Trauer verarbeitet sie auf berührende, aber durchweg komische Art und Weise. […] Vea Kaiser zeigt, dass man auch anspruchsvolle Themen unterhaltsam erzählen kann.« Veronika Schuchter, Deutschlandfunk Büchermarkt

»Vea Kaiser kann erzählen. Und so ist es durchaus vergnüglich, ihr zu folgen, wie sie all diese Geschichten mit Farbe auffüllt […] und wie sie es schafft, kleine Situationen das große Ganze erklären zu lassen.«   Jochen Overbeck, SPIEGEL Online

»Ein irrwitziger, warmherziger Roadtrip, wie ihn nur die ungekrönte Königin des literarischen Familienepos erfinden kann.«   Sulzbacher-Rosenberger Zeitung

»Jede Zeile des soeben bei Kiepen­heuer & Witsch erschienenen Romans der österreichischen Autorin Vea Kaiser verrät die bedingungslose Zuneigung zu all ihren wunderbar erdachten und vermutlich auch alltäglichen Zufallsbegegnungen oder verwandtschaftlichen Bindungen abgeschauten Figuren.« Bernadette Lietzow, Tiroler Tageszeitung

»Ein warmherziges Loblied auf die Familie als Halt und Hort.« Stefan Sprang, Hessischer Rundfunk

Alles, was man im Leben braucht…

11 Apr, 2019

Alles, was man im Leben braucht…

Christoph Hein „Alles, was du brauchst“

Hanser Verlag, 15 €

Was man wirklich im Leben braucht, das hat in 20 wichtigen Kapiteln Christoph Hein in diesem wunderschönen Buch poetisch und ausführlich beschrieben. Rotraut Susanne Berner hat es fantasievoll illustriert. Vielleicht schenkt Christoph Hein sich und uns dieses Büchlein zu seinem Geburtstag, er wurde gerade 75 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch! Also, wer noch ein Geschenk sucht…?

„Ein charmanter Blick auf 20 Dinge, die Kinder brauchen und keiner entbehren sollte. Das Wichtigste ist natürlich ein Freund, auf den man sich immer verlassen kann. Und eine Mutter, die – auch wenn sie nervt – für einen sorgt und uns tröstet. Eine Tante oder Oma, die immer Zeit zum Spielen hat, ist unverzichtbar, und ein Haus- oder Stofftier zum Kuscheln. Ein Kinderzimmer, ein Bett und ein Fahrrad muss jeder besitzen. Und ein Lieblingsgericht sollte man kochen und ein Instrument spielen können. Christoph Hein weiß außerdem gute Gründe, warum Entdeckungen und Erfindungen besonders wichtig sind. Und warum eine gute Geschichte, Tränen und das Verliebtsein unser Glück perfekt machen.“ (Hanser Verlag)

„Expedition Leben“ – ein Buch für Freigeister, Soul Sisters (and Brothers), für Suchende, Reisende und alle, die ihren Weg bestimmen möchten

5 Apr, 2019

„Expedition Leben“ – ein Buch für Freigeister, Soul Sisters (and Brothers), für Suchende, Reisende und alle, die ihren Weg bestimmen möchten

Dorothee Dahl

„Expedition Leben. Du bestimmst deinen Weg“

DAHL & DOTTIR* Edition (Selbstverlag/epubli)

200 Seiten, 19,– €

Warum man dieses Buch lesen sollte, schreibt die Autorin selbst:

„Es ist dein persönlicher Reisebegleiter in ein freies, authentisches und selbstbestimmtes Leben und unterstützt dich dabei herauszufinden, wer du bist, was du wirklich willst und wie ein Leben aussieht, das zu dir passt. 

Wenn du dieses Buch liest und die begleitenden Übungen machst, wirst du dich selbst und andere besser verstehen. Konkrete Anleitungen helfen dir zu lernen, wie du mit Herausforderungen leichter umgehen kannst, und starke Fragen unterstützen dich dabei, das für dich Wesentliche zu entdecken und deinen persönlichen Fokus zu finden.

Unabhängig davon, wie alt du bist und in welcher Lebensphase du dich gerade befindest, begleitet dich dieses Buch dabei, dich neugierig auf den Weg zu machen, um etwas richtig Schönes aus deinem Leben zu machen und dabei ganz viel Glück in jeden Tag zu holen.“

Zur Autorin:

Dorothee Dahl ist bekannt aus ihrem Podcast „Expedition Leben“, mit dem sie jede Woche Zuhörern frische Inspiration bringt, die Lust auf Leben und persönliche Entwicklung haben. Sie begleitet als Mutmacherin, Lebensgeschichtenzuhörerin und akademisch qualifizierter Lifecoach Menschen auf der Expedition ihres Lebens. In online oder persönlichen Coachings hilft sie bei der Umsetzung kleiner und großer Träume, ist da, wenn es schwierig wird und unterstützt bei der Verarbeitung essentieller Lebenserfahrungen. Sie hilft ihren Klienten, den eigenen Weg zu finden, begleitet sie ein Stückchen und befähigt sie dann, ihn aus eigener Kraft weiter zu gehen.  Weitere Infos auf www.dorotheedahl.de

*DAHL & DÓTTIR ist aus dem ehemaligen DAHL Verlag entstanden, den der Buchhändler und Schriftsteller Jürgen Dahl in den 1960er Jahren gegründet hat. Seine Tochter Dorothee hat 2019 die Familientradition wieder aufgegriffen und wird ihre eigenen Publikationen aber auch die ihres Vaters in Zukunft unter diesem Label veröffentlichen. Die ersten 4 Bücher von Dorothee Dahl erschienen im CADMOS Verlag. Dóttir ist isländisch und heißt Tochter.

Hinweis: Dorothee Dahl ist am 16. Mai 2019 mit einer Lesung aus ihrem Buch und einem Miniworkshop zu Gast in unserer Buchhandlung (siehe unter „Veranstaltungen“).

Ein Klassiker der Zukunft: Odinskind

18 Okt, 2018

Ein Klassiker der Zukunft: Odinskind

Pettersen, Siri
Die Rabenringe – Odinskind #1

ISBN: 978-3-03880-013-2
Arctis Verlag
GEB 20.00 EUR

„Kurz vor dem Ritual, dem sich alle Ymslinge im Alter von 15 Jahren unterziehen müssen, erfährt Hirka, dass sie ein Odinskind ist – ein Wesen nicht von dieser Welt, das nichts bringt, außer Verderbnis, die so genannte „Fäulnis“ und den Weg ebnet für die Blinden, einen unaussprechlichen Schrecken!

Sie flieht! Nicht nur vor dem Ritual, dem unumstößlichen, Macht habenden Rat und dessen weltweiten Einfluss. Doch einen Ort gibt es… Ravnhov, das einzige Gebiet in ganz Ymsland, die sich nicht dem Willen des Rates beugt und so zu einer möglichen Zuflucht für Hirka werden könnte… Wenn nicht…

„Odinskind“ ist der großartige Beginn einer Trilogie, die nicht nur facettenreiche, gut durchdachte Charaktere aufzuweisen hat, sondern auch eine tiefreichende, ausgeklügelte Story, die im Verlauf des Buches derart auf den Kopf gestellt wird, dass man verblüfft ist vom Einfallsreichtum der Autorin.
Gekonnt gesponnen und verwebt! Traumhaft!“ (Anette Latos, Buchhändlerin)

„ODINSKIND ist der furiose Auftakt der RABENRINGE-Trilogie, das große nordische Epos über eine Welt voller Vorurteile, Machtkämpfe und Liebe.“ (Arctis Verlag)

„Ein Klassiker der Zukunft.“ Dagens Nyheter/Schweden

„Eine fesselnde Geschichte, komplexe Figuren und eine Welt, die fasziniert.“ Helsingin Sanomat/Finnland

Schön & schaurig: „Dunkle Geschichten vom Niederrhein“ von Susanne Wingels

10 Okt, 2018

Schön & schaurig: „Dunkle Geschichten vom Niederrhein“ von Susanne Wingels

Susanne Wingels
„Dunkle Geschichten vom Niederrhein“
Wartberg Verlag
80 S., geb., s/w Fotos
12 €

„In der dunklen Jahreszeit ist der Niederrhein recht trüb und düster – die ideale Gegend für dunkle Geschichten! Die Lage an der Grenze und am mächtigen Strom hat über Jahrhunderte etliche Geschichten hervorgebracht: von Räubern, Schmugglern, versunkenen Schiffen, Wasserleichen und vielem mehr. In diesem Buch erfahren Sie, warum im Nebel so viele Unholde lauern und weshalb der Torwächter seine Stadt verriet, wo Sie die Dunkelheit einholt und warum Menschen ihr Dorf verlassen mussten. Folgen Sie der Spur der Teufelssteine, laufen Sie mit dem Nachtwächter durch seine Stadt, erleben Sie die Tragödie an der Rennstrecke, schauen Sie unter die Erde und treffen Sie auf den niederrheinischen Robin Hood. Lassen Sie sich ein auf dunkle Geschichten zum Gruseln, Staunen und manchmal auch zum Schmunzeln.“

So beschreibt der Wartberg Verlag das neue Buch von Susanne Wingels, die wir in Kleve als Autorin der Bücher „Niederrhein mit Kindern“ und „1000 Freizeittipps Niederrhein“ kennen.
In den historischen und aktuellen, dunklen Geschichten freute sich nun Susanne Wingels, „endlich einmal erzählen“ zu dürfen. Neben Mythen, Sagen und Überlieferungen schilder sie regionale Begebenheiten und uns allen gut bekannte Orte. So kommen neben eigenen Erlebnissen z.B. auch das Burgtheater oder der Schnelle Brüter in der Geschichtensammlung vor, sowie verschwundene Orte, sogenannte „Lost Places“. Alles ist – wie wir es von dieser fleißigen, sympathischen Autorin kennen – sorgfältigst in Archiven und in Gesprächen mit Fachleuten (u.a. dem LVR Niederrheinmuseum in Wesel) recherchiert. Sehr zur Lektüre empfohlen!

Susanne Wingels, Jg. 1969, lebt mit ihrer Familie in Bedburg-Hau. Die gelernte Industriekauffrau und Übersetzerin kennt den Niederrhein wie ihre Westentasche.

„Heimat. Ein deutsches Familienalbum“ von Nora Krug

10 Sep, 2018

„Heimat. Ein deutsches Familienalbum“ von Nora Krug

„Wie kann man verstehen, wer man ist, wenn man nicht weiß, woher man kommt?“

Sie lebt seit über 17 Jahren in New York, ist verheiratet mit einem amerikanischen Juden und fühlt sich deutscher als jemals zuvor. Woher kommt das? Und wer ist sie eigentlich? Die preisgekrönte, 1977 in Karlsruhe geborene Autorin und Illustratorin Nora Krug fragt sich, was Heimat für sie bedeutet, und unternimmt eine literarisch-grafische Spurensuche in der Vergangenheit ihrer Familie: Was hatte Großvaters Fahrschule mit dem jüdischen Unternehmer zu tun, dessen Chauffeur er vor dem Krieg gewesen war? Und was sagen die mit Hakenkreuzen dekorierten Schulaufsätze über ihren Onkel, der mit 18 Jahren im Zweiten Weltkrieg fiel? Ihre gezeichneten und handgeschriebenen Bildergeschichten fügt Krug mit Fotografien, Archiv- und Flohmarktfunden zu einem völlig neuen Ganzen zusammen. „Heimat“ ist ein einzigartiges Erinnerungskunstwerk, in dem Familiengeschichte auf Zeitgeschichte trifft. Ein Graphic Memoir, lebendig, wahr und poetisch erzählt. (Penguin Books)

«Nora Krug hat ein eindrucksvolles graphisches Werk über eine düstere Zeit der Geschichte geschaffen. Eine Zeit, die uns bis heute verfolgt. Krug stellt Fragen und sucht nach der Wahrheit, sie weicht dem schwierigen Erbe ihrer Familie und ihres Landes nicht aus. Sie fragt auch, wie jeder von uns seine Familiengeschichte durchsteht. Am Ende kann das nur heißen, vor den Antworten nicht die Augen zu verschließen.» (Maira Kalman, Illustratorin, u.a. für „The New Yorker“ und Autorin „43 Gründe, warum es aus ist“)

Nora Krug
„Heimat“
Penguin/Random House
geb., 28 €

„Lempi, das heißt Liebe“ – das Roman-Debüt von Minna Rytisalo

6 Aug, 2018

„Lempi, das heißt Liebe“ – das Roman-Debüt von Minna Rytisalo

Minna Rytisalo
„Lempi, das heißt Liebe“
Carl Hanser Verlag
ISBN: 9783446260047
224 S., gebunden
€ 21,00

„Minna Rytisalo, geboren in Lappland, ist Finischlehrerin, Literaturbloggerin und Autorin. Man sollte sie sich merken. Ihr erster Roman „Lempi, das heißt Liebe“ (das heißt es wirklich, auf Altfinnisch) wurde in Finnland gleich mit Preisen ausgezeichnet. Darin erinnern sich drei Menschen an die Namensgeberin des Romans, die junge, anmutige, temperamentvolle, schöne Frau, in die sich der Bauer Viljami Hals über Kopf verliebt, und die ihn gerne heiratet und auf seinen Hof kommt. Dann muss Viljami in den Krieg, und als er zurückkommt, ist Lempi verschwunden. Nur diesen einen schönen, gemeinsamen Sommer hatten sie auf dem lappländischen Hof. Was geschehen ist, das entfaltet Minna Rytisalo sprachlich dicht, poetisch und von solch fesselnder Emotionalität, dass man das Buch nur ungern aus der Hand legt. Dies ist unbedingt einer meiner Sommerfavoriten unter den Neuerscheinungen, dass ich hiermit weiteren Leser*inne*n ans Herz lege.“ (Sigrun Hintzen)


Und hier fünf Fragen an Minna Rytisalo:

Frau Rytisalo, „Lempi, das heißt Liebe“ ist Ihr Romandebüt. Was war Ihr Ausgangspunkt und wie lange haben Sie an dem Buch gearbeitet?

Ich wurde vierzig und dachte, es wäre Zeit, etwas zu tun, was ich mein ganzes Leben hätte tun sollen. Die Handlung habe ich mir ausgedacht, während ich Schularbeiten beaufsichtigte (ich bin Gymnasiallehrerin), und es ging alles ziemlich schnell. Im Mai 2015 begann ich zu schreiben, im Januar 2016 habe ich den Vertrag unterzeichnet, und im Juli desselben Jahres erschien das Buch.
Ich hatte zuvor keine fiktionalen Texte geschrieben, aber ich hatte einen eigenen Buch-Blog und eine Kolumne in unserer Zeitung. Statt zu schreiben, habe ich immer gelesen. Das Lesen war tatsächlich meine Schreibschule.

Drei Figuren des Romans erzählen Lempis Geschichte: Viljami, Elli und Sisko. Können Sie diese Figuren und ihre Stimmen mit wenigen Worten charakterisieren?

Ich wollte für jede dieser drei Figuren eine je eigene Stimme finden, diese Herausforderung habe ich mir selbst gestellt. Viljami ist krank vor Liebe, die Sehnsucht nach seiner verschwundenen Frau überwältigt ihn. Er spricht in langen, poetischen Sätzen. Sein Kummer ist so groß, dass er ihn fast erdrückt. Elli, die zweite Erzählstimme, ist die Magd von Viljami und seiner Frau Lempi, und sie ist voller Eifersucht und Hass. Sie spricht in kurzen Sätzen, mit einer leidenschaftlichen, leicht erregbaren Stimme. Sie redet wie eine einfache Frau, aber ohne Dialekt. Die dritte Stimme ist Lempis Schwester Sisko, die das Geschehen aus großem zeitlichem Abstand betrachtet. Jahrzehnte später hat sie sich mit ihrer Vergangenheit ausgesöhnt und spricht undramatisch, neutral, ohne Gefühlsüberschwang darüber.

Wir sehen Lempi nur durch die Augen dieser drei Figuren. Wer ist sie?

Sie zeigt uns, dass wir einander nie vollständig sehen können. Sie selbst hat keine eigene Stimme in dem Buch, sie wird nur von den anderen interpretiert – sie ist ein Rätsel, das sich nicht vollständig auflösen lässt.

Der Roman hat eine große emotionale Kraft – da gibt es Liebe, Eifersucht, Lebenshunger – und zugleich diese raffinierte Erzählstruktur. Wie sind Sie beim Schreiben vorgegangen?

Ich finde die Art, wie eine Geschichte erzählt wird, viel interessanter als die Geschichte selbst. Ich wollte in allen drei Teilen des Buchs eine Spannung erzeugen, aber das Faszinierendste für mich sind der Stil und die Schattierungen und Töne der Sprache.

Der Roman spielt vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs in Lappland und wir erfahren einiges über die finnisch-deutsche Geschichte. Was bedeutet dieser historische Background für Sie?

Großmutter hat mir davon erzählt, wie sie ihr Zuhause verlassen und fliehen mussten, als der Lapplandkrieg mit Deutschland begann. Sie erzählte mir, wie hart und schrecklich es war, in das verbrannte Dorf zurückzukehren. Ich verbrachte meine Kindheit zwischen sichtbaren Zeichen des Krieges: Da gab es einen alten Keller und eine alte Sauna, von denen jeder wusste, sie hatten den Brand in unserem Dorf überstanden; meinem Großvater fehlte an einer Hand ein Finger, und er wollte nie über seine Erfahrungen auf dem Schlachtfeld sprechen. Aber was in Lempi erzählt wird, stammt nicht von meiner Familie, sondern aus meiner Fantasie.
Ich wusste auch immer, dass finnische Frauen sich mit deutschen Soldaten in Lappland eingelassen hatten, der Dokumentarfilm Auf Wiedersehen, Finnland (2010) von Virpi Suutari hat mich stark beeindruckt. Der dramatische Moment, in dem aus deutschen Freunden und Geliebten in einer Nacht Feinde wurden, ist ein sehr interessanter Augenblick unserer Geschichte.