Zeigefingerkino oder: Lola liest – Lesekönigsuche in Kranenburg!

» Gepostet am 4 Mrz, 2017 in Leseförderung | Keine Kommentare

Zeigefingerkino oder: Lola liest – Lesekönigsuche in Kranenburg!

Zum Lesekönig-Vorlesewettbewerb an der Christophorus-Grundschule in Kranenburg schreibt Heiner Frost (Niederrhein Nachrichten):

Zeigefingerkino oder : Lola liest

KRANENBURG. Lola rennt? Heute nicht. Heute wird gelesen. Auch Lola liest. Es geht um die Ehre. Die Urkunden warten. Die Aufgabenstellung: Werde Lesekönig. Sechs Bewerber treten an. Die Formel: Sechs aus 52.
52 Schüler bevölkern die Klassen 3a und 3b der Christophorus Grundschule in Kranenburg. Jetzt sitzen alle gespannt da und warten, wie die „Kollegen“ es wohl machen werden.
Manche sind schnell unterwegs. Andere leise. Manche lesen sozusagen freihändig, andere nutzen die Weisungskraft ihrer Zeigefinger und lassen sie – die Finger – den Text abgrasen, während weiter oben die Zeichen der Bücher zu Lauten werden. Zeigefingerkino.
Bevor es losgeht, wird noch mal kurz rekapituliert, wie gutes Vorlesen geht: Auf die Betonungen achten und zwischendurch auch mal das Publikum ansehen – Kontakt halten. Das ist die Theorie. Nicht alle Kandidaten können die Idee ins Praktische retten, aber: Das ist hier ist die nervengesteuerte Wirklichkeit, und als Juror kann man nur froh sein, dass man eine stumme Rolle zu bedienen hat.
Dann geht‘s los. Alle Kandidaten sagen noch mal kurz, wie sie heißen. Da stellt sich dann auch heraus, dass der Maxi die Maxi ist. Die Bewerber machen Altersangaben und erklären kurz mal, um was geht in ihrem Buch. Synopsis. Und wenn man spät dran ist, hat man‘s praktisch. „Ich lese aus … aber das hatten Sie ja schon gehört.“ Jetzt aber wirklich: Wir hatten‘s ja schon besprochen: Stützfingerleser und solche ohne Netz und doppelten Boden. Manche schaffen zwischendrin den Blick zum Publikum, andere tauchen ab und sind erst nach dem letzten Wort wieder anwesend. Verbeugung, Applaus – und ab. Die Jury lobt. Natürlich.
Nach den ersten drei Lesern darf das angespannte Publikum sich entladen: Und die Hände zum Himmel … bisschen Gymnastik halt. Und jetzt bitte wieder Andacht und Obacht. Nach sechs Kandidaten dürfen die Schüler „mal kurz auf den Hof“. Die Jury braucht ein paar Minuten.
Additionen der Punkte für Lesetechnik, Textgestaltung und Textverständnis. Alle drei sind von 1 bis 5 zu messen. Also: Niedrigste Punktzahl: 3. Maximum: 15. Keiner der Kandidaten bekommt weniger als 9 Punkte. Nach der Addition stehen eindeutig ein erster und zweiter Platz fest. Beim dritten Rang gibt es eine Punktgleichheit. Na bitte. Also einfach vier Urkunden ausschreiben.
And the winners are: Jesper van der Zweep, und Lola Kirchmeier auf Rang drei. Na bitte: Lola liest. Zweiter Platz für die Maxi, Maxi Siebert. Und wer wird Lesekönig? Jurorin Stephanie Ingensand macht es einfach mal spannend und holt Tips vom Publikum ein. Drei Antworten – drei Namen. „Aber der Sieger war schon dabei.“
Jetzt aber genug Spannung gemacht. Aufs nicht vorhandene Treppchen kommt Kilian van Leeuwen. Herzlichen Glückwunsch. Zum Siegerfoto bitte noch mal auf den Lesestuhl. Die Konkurrenz als stehender Hintergrund. Wir sehen uns im nächsten Jahr. Vielleicht liest dann mal jemand aus einem niederländischen Buch vor. Idee notiert. Das könnte doch wirklich was sein. Und Tschüss. Nö: Da ist noch ein Finger in der Luft. „Kommt denn der Gewinner auch in die Zeitung.“ Klar doch. Aber sowas von …

Text und Foto:Heiner Frost, NN